Lebendige Geschichte und Demokratiebildung – Histotainment mit Tino Leo an den Methodentagen

Einigkeit und Recht und Freiheit – Die Revolution von 1848/49

Im Rahmen der jährlich schulweit stattfindenden Methodentage präsentierte Tino Leo am 09.02.2026 in der Aula des Geschwister-Scholl-Gymnasiums Daun sein Ein-Personen-Theaterstück „Einigkeit und Recht und Freiheit – Die Revolution von 1848/49“. Im Fokus standen die Entwicklungen des Vormärz sowie die Arbeit der Frankfurter Nationalversammlung in der Paulskirche. Gefördert wurde die Veranstaltung von der Landeszentrale für politische Bildung, um die politische Urteilsfähigkeit der Teilnehmenden zu stärken und einen lebendigen Zugang zu demokratischen Prozessen zu eröffnen.

Mit großer Wandlungsfähigkeit verkörperte Tino Leo zahlreiche historische Akteurinnen und Akteure und machte die politischen Konfliktlinien der Jahre 1815 bis 1848/49 anschaulich. Die 63 Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 13 vertieften dadurch nicht nur ihr historisches Sachwissen, sondern gewannen zugleich ein Verständnis dafür, wie sehr heutige Freiheitsrechte und parlamentarische Verfahren auf den Auseinandersetzungen jener Zeit beruhen. Die szenische Darstellung eröffnete einen unmittelbaren, emotionalen Zugang zu politischen Entscheidungen und gesellschaftlichen Spannungen.

Der pädagogische Mehrwert der Aufführung lag im Sichtbarmachen komplexer historischer Entwicklungen: Deutlich wurde, wie Bürgerinnen und Bürger sowie Abgeordnete um Grundrechte, nationale Einheit und demokratische Beteiligung rangen. Dadurch wurden Kompetenzen wie kritisches Urteilsvermögen, historisches Bewusstsein und die Fähigkeit gestärkt, politische Strukturen in die Gegenwart einzuordnen.

Zur Vorbereitung entwickelten die Lernenden anhand konkreter Aufgaben eigene Kurzszenen zum Vormärz und recherchierten zentrale historische Persönlichkeiten. Im Anschluss an die Aufführung setzten sie ihre Ergebnisse mit den Rollen des Stücks in Beziehung und reflektierten politische Handlungsspielräume sowie Bezüge zur heutigen demokratischen Teilhabe.

DDR‑Zeitzeugin Elke Schlegel zu Gast am GSG Daun

Trotz der drückenden Sommerhitze machte sich die DDR-Zeitzeugin Elke Schlegel aus Koblenz am 1. Juli 2025 auf den Weg ans GeschwisterSchollGymnasium Daun, um der 10. Klasse von Frau FreundDonnhauser im Geschichtsunterricht von ihren dramatischen Erlebnissen im Frauengefängnis Hoheneck zu berichten.

Wer ist Elke Schlegel?

Elke  Schlegel, geboren 1958 in Jena, engagierte sich in den frühen 1980er Jahren öffentlich für ein freies, selbstbestimmtes Leben in der DDR, das es dort so nicht gab: „Als Jugendliche sagte man mir: ‚Die Welt steht dir offen!‘ Das war blanker Hohn! Denn uns stand nichts offen — nur die Sowjetunion!“, erinnerte sie sich. Zusammen mit ihrem damaligen Lebensgefährten stellte sie mehrere Ausreiseanträge und beteiligte sich an Protesten des sogenannten „Weißen Kreises“ gegen das SED‑Regime. Im März 1983 wurde sie überraschend verhaftet und kurze Zeit später wegen „ungesetzlicher Verbindungsaufnahme“ zu eineinhalb Jahren Haft im Frauenzuchthaus Hoheneck (Stollberg/ Sachsen) verurteilt. Ihren zwei Jahre alten Sohn musste sie zurücklassen. Ihr Lebensgefährte wurde ebenfalls verhaftet.

Dank einer Freikaufaktion der Bundesrepublik Deutschland wurde die stark untergewichtige Inhaftierte im September 1984 aus der Haft entlassen. Auch für ihre kleine Familie gab es glücklicherweise ein Happy End, denn Frau Schlegel, ihr Sohn und ihr Lebensgefährte wurden wiedervereint. Heute lebt Elke Schlegel in Koblenz, engagiert sich als Zeitzeugin und wurde 2020 mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik geehrt.

Der Mehrwert von Zeitzeugengesprächen

Frau Schlegel schilderte eindringlich, wie sie als politische Gefangene unter menschenunwürdigen Bedingungen im Frauenzuchthaus Hoheneck leben musste: Sie erinnerte sich an überfüllte Zellen, harte Zwangsarbeit sowie die vielen körperlichen Strafen bei Arbeitsverweigerung. Auch psychische Schikanen und Demütigungen standen auf der Tagesordnung.

Die interaktive Begegnung mit Frau Schlegel bot den Schülerinnen und Schülern weit mehr als jede Schulbuchlektüre: Sie konnten ihr direkt Fragen stellen und spürten die emotionale Wucht ihrer Geschichte hautnah. Solche Gespräche stärken das historische Bewusstsein – sie machen Demokratie, Freiheit und Menschenrechte greifbar und mahnen zugleich, diese nicht als Selbstverständlichkeit hinzunehmen.

Frau Schlegel bedankte sich für das große Interesse der Klasse und gab allen Anwesenden am Ende eine wichtige Botschaft mit auf den Weg: „Bedenkt dies: Eine Demokratie ist nichts Selbstverständliches und muss gepflegt werden.

Unser großer Dank gilt Frau Elke  Schlegel für ihren offenen, bewegenden Bericht und ihr unermüdliches Engagement. Ihr erneuter Besuch am GSG hat bei uns nachhaltige Eindrücke hinterlassen und die Bedeutung von Freiheit und demokratischer Partizipation eindrücklich vor Augen geführt.

Wir freuen uns auf weitere Zeitzeugengespräche, die unsere Schülerinnen und Schüler nicht nur informieren, sondern auch emotional erreichen und somit zentral sind für eine lebendige, zukunftsfähige Schulbildung.

Verena Freund-Donnhauser

Methodentraining der MSS 11 Geschichte

Drei Tage intensives wissenschaftliches Arbeiten, historische Spurensuche und bewegende Begegnungen

Wir Schülerinnen und Schüler des Geschichtsleistungskurses der MSS 11 des Geschwister-Scholl-Gymnasiums Daun haben uns im Rahmen eines Methodenprojektes zur Förderung unserer wissenschaftlichen Kompetenzen an verschiedenen Stationen weiterbilden dürfen. Unser Ziel: Geschichte spüren.

Was haben wir in dieser kurzen Zeit alles für uns mitnehmen können? Warum reicht es dabei nicht, Geschichte nur aus Schulbüchern zu kennen und warum sollte der Unterricht deswegen über das Klassenzimmer hinaus geöffnet werden?

Tag 1: an der Junior Uni Daun:

Angeleitet durch den Historiker Dr. Boris Olschewski (Universität Trier) sind wir dank einer Kooperation mit der Junior Uni Daun unmittelbar in die wissenschaftliche Arbeit eingetaucht. Dabei stellten wir uns die Frage: Können wir Geschichte wirklich nur durch von Herausgebern vorinterpretierte Texte begreifen? Der Antwort darauf näherten wir uns ohne Notendruck mit einer theoretischen Einführung in verschiedene wissenschaftliche Vorgehensweisen, bevor es dann an der Zeit war, unser Wissen praktisch anzuwenden. Diese Erfahrung hat uns gelehrt, vernetzt zu denken und Geschichte als Konstrukt wahrzunehmen. Als angehende JuniorhistorikerInnen wurden uns dafür die nötigen Werkzeuge an die Hand gegeben.

Tag 2: Mayen:

Mit dem erworbenen Wissen im Gepäck machten wir uns an Tag zwei auf den Weg in die geschichtsträchtige Kulturstadt Mayen, wo unsere Reise im Stadtarchiv losging. Stadtchroniken, Gefallenenlisten, erschreckende Zeitungsberichte. Fakten, Zahlen, Namen — doch dahinter? Leben, die ausgelöscht wurden. Das Hauptaugenmerk unserer Recherchen lag auf dem 2. Januar 1945, an dem siebzig Bomber die Achtzehntausend-Seelen-Stadt Mayen in eine Trümmerlandschaft verwandelten. Über 200 Menschen fielen dem Bombardement zum Opfer, ca. 87% der Stadt wurden zerstört: Der Angriff war so verheerend, dass Mayen zur „toten Stadt“ erklärt wurde.

Eine besondere Ehre war es, mit dem Zeitzeugen Heinz Schäfer den Luftschutzbunker unter der Genovevaburg zu betreten, in dem er mit nur acht Jahren auf engstem Raum mit tausenden anderen Menschen vor dem Bombenangriff Schutz suchte. „Die Menschen schrien und weinten. Ein Mann mit einem Kind auf dem Arm kam durch die Gänge und schrie: ‚Wem gehört dieses Kind?‘ Es hatte wohl in dem Gedränge seine Eltern verloren.“ Er zeigte uns die Stelle, an der er selbst vor achtzig Jahren als Junge saß, während Bomben auf die Stadt nieder hagelten: „Hier. Genau hier.“  Seine Erzählungen hallen in uns nach und lassen uns die Schrecken des Krieges auf eine Weise nachempfinden, wie es kein Geschichtsbuch könnte.

Wir sprechen Heinz Schäfer unseren tiefempfunden Dank für seine wertvolle Arbeit aus. Als Zeitzeuge einer von Krieg zerstörten Gesellschaft erinnert er uns an die Bedeutung einer aktiven Erinnerungskultur und den Wert von Demokratie. Es liegt nun an uns, die Lehren der Vergangenheit zur Gestaltung unserer Zukunft zu verwenden. 

Wir möchten unseren Beitrag in diesem Sinne mit Heinz Schäfers Mahnung beenden: „Wählt weise!

Ruben Ballmann, Robin Frenzel, Leon Konrad und Marc Michels (stellvertretend für den Geschichts-Leistungskurs der MSS 11)

Ein von uns erstelltes Video verdeutlicht unsere Erfahrungen zusätzlich auf visuelle Weise.

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