Das GSG denkt europäisch

Die Staatskanzlei Rheinland-Pfalz feiert „70 Jahre Schuman-Plan – 70 Jahre Europa“ und hat aus diesem Anlass einen Wettbewerb ausgeschrieben, an dem auch das Geschwister-Scholl-Gymnasium Daun erfolgreich teilgenommen hat. Mit 2 weiteren rheinland-pfälzischen Schulen wurde das GSG ausgewählt, um am 23. März 2021 an einer im Internet ausgestrahlten live kommentierten multimedialen Zeitreise zur Entstehungsgeschichte Europas und der europäischen Union teilzunehmen.

Der Leistungskurs Sozialkunde der MSS 12 (Leitung: Jannis Donnhauser) sowie der Leistungskurs Geschichte (Leitung: Dr. Torsten Krämer) waren an dieser Veranstaltung beteiligt. So konnten die Schülerinnen und Schüler bereits im Vorfeld, aber auch live während der Sendung, ihre Fragen stellen, die dann von der moderierenden Expertenrunde, bestehend aus Ingo Espenschied (Dipl.-Politologe und Journalist), der Staatssekretärin Heike Raab und Karsten Lucke (Leiter des Europahauses Bad Marienberg), beantwortet wurden. Leitfaden und Ziel der Live-Doku war klar die positive Darstellung einer dynamischen europäischen Union mit ihren Errungenschaften, den Krieg hinter sich zu lassen und grenzüberschreitende Bündnisse und Begegnungen zu schaffen und zu ermöglichen.

Die Beteiligung des GSG Daun an dieser europafreundlichen Veranstaltung ist kein Zufall. Seit dem 10. März 2021 hat unsere Schule die Akkreditierung für das Projekt „Erasmus+“ erteilt bekommen. Erasmus+ versteht sich als zukunftweisendes Bildungsmodell, das im Einklang mit der EU-Strategie für Wachstum, soziale Gerechtigkeit und Integration steht.

Dabei geht es für die Schule v.a.  um die Erweiterung, aber auch die Modellierung ihres Austauschprogramms. Schulpartnerschaften sollen nicht mehr nur im klassischen Sinne als feststehende wechselseitige Besuche von Schülergruppen stattfinden, sondern sich öffnen können: Auch Lehrerinnen und Lehrer sollen aktiv am Austausch teilnehmen. Gewünscht ist, dass es in Zukunft stärker zu fächerübergreifenden und auch inhaltlich geleiteten innereuropäischen Austauschformen kommt.

Europa bewegt sich – Schule bewegt sich: Frieden, Freiheit, Teilhabe und Toleranz sind wichtige Stützen und Schubkräfte, die in der Live-Dokumentation zum 70-jährigen Bestehen der europäischen Union in den Vordergrund gestellt wurden, von denen auch unsere Schule lebt.

N. Krämer, GSG Daun

Digitales Holocaustgedenken am GSG – ein Projekt der Geschichtsklassen und -kurse

Unsere Schule führt bereits seit einigen Tagen ein gutes und interessantes Online-Projekt im Fachbereich Geschichte durch. Anlass ist das Holocaustgedenken, das jährlich am 27. Januar in besonderer Weise zum Ausdruck gebracht wird.

Angeregt und maßgeblich begleitet wird die Veranstaltung von Franziska Kaiser, einer ehemaligen Schülerin unserer Schule, jetzt Studentin in  Mainz (Lehramt für die Fächer Geschichte und Sport).

Aber worum geht es eigentlich?

Franziska ist im Rahmen ihres Studiums schon seit einiger Zeit damit befasst, eine Ausstellung „Neustadt an der Weinstraße und der Nationalsozialismus“  zu gestalten, in deren  Zentrum  steht der Zusammenhang von „Volksgemeinschaft“ und Gewalt steht. Diese Ausstellung kann aus Gründen der Pandemie derzeit nur als digitales Angebot besucht werden. Einige Geschichtsklassen und –kurse (ab Klasse 9) des Geschwister-Scholl-Gymnasiums nehmen in diesen Tagen in Form der Videokonferenz am Projekt teil:  Franziska zeigt und erläutert hierbei Teile der Ausstellung und fordert die Schülergruppen immer wieder aktiv zu einem kritischen Denken und Geschichtsbewusstsein heraus. Im Zentrum ihrer Darstellung steht der Zusammenhang von „Volksgemeinschaft“ und Gewalt.

Die Ausstellung wirft Fragen auf: Wie war es möglich war, dass die NS-Diktatur sich so stark und verheerend durchsetzen konnte Wer und was hat dies möglich gemacht?  Und nicht zuletzt: Was lernen wir aus der Geschichte? Franziska zeigt in der Ausstellung z.B. historische, sich erstaunlich ähnelnde Fotografien von einer Wahlkampfveranstaltung in Neustadt und von einem NSDAP-Parteitag in Daun sowie von dem damaligen KZ in Neustadt und von dem Arbeitslager für Kriegsgefangene und Juden in Bongard bei Kelberg. Mit der Ausstellung und dem Angebot unsere Schüler auf digitalem Wege interaktiv daran teilhaben zu lassen, regt Franziska  sie zu einem kritischen Umgang mit unserer Heimatgeschichte an. Die Reaktionen der SchülerInnen darauf sind sehr positiv – die Beiträge in den Videokonferenzen und im Padlet (digitale Pinnwand) sind reflektiert und konstruktiv – und zeigen dies: Es ist uns wichtig, unsere Geschichte, gerade die dunkle Geschichte auch in unserer eigenen Heimat, nicht zu vergessen: Das ist Franziskas Anliegen – das war das Anliegen der Geschwister Scholl und ist unser Anliegen als LehrerInnen und SchülerInnen am GSG Daun.

Fachbereich Geschichte

Das Fach Geschichte hat am Gymnasium einen hohen Stellenwert: Geschichte begegnet uns überall, wir können gar nicht anders, als uns ihr zu stellen. Unsere Schule greift mit ihren Namensgebern – den Geschwistern Scholl – ganz bewusst auf historische Vorbilder zurück. Sophie und Hans Scholl leisteten mit den Mitgliedern der „Weißen Rose“ Widerstand gegen die nationalsozialistische Unrechtsherrschaft. Am GSG wird der Namensgeber an Gedenk- und Projekttagen regelmäßig gedacht. 

Was lernt man in Geschichte?

Sachwissen
Der Geschichtsunterricht am Gymnasium beginnt in der 7. Klasse, und zwar mit der Frühzeit des Menschen in der Altsteinzeit. Bis zum 10. Schuljahr beschäftigen wir uns u.a. mit Ägypten, dem alten Griechenland, mit Rom, Karl dem Großen, dem Leben im Mittelalter, Kolumbus, Luther, Ludwig XIV., der Französischen Revolution, deutscher Geschichte im 19. Jahrhundert, mit dem deutschen Kaiserreich, dem Ersten Weltkrieg, der ersten deutschen Republik ab 1918, dem Nationalsozialismus und dem Zweiten Weltkrieg, der DDR und der BRD bis in die Gegenwart.

Historisches Denken
Der Erwerb von Sachwissen ist das eine. Viel wichtiger ist es, im Geschichtsunterricht historisch denken zu lernen: Darunter versteht man z.B. die Einsicht, dass es die Geschichte gar nicht gibt – Historikerinnen und Historiker machen Geschichte erst, indem sie vergangene Ereignisse erforschen – und dabei auch schon mal zu unterschiedlichen Ergebnissen gelangen, über die sie wissenschaftlich heftig „streiten“. Im Geschichtsunterricht erfahrt ihr, dass wir aus Quellen (Texte, Bilder, Lieder, Filme, Bücher, Comics etc.) Ereignisse vergangener Zeiten ablesen – nur weichen die Sichtweisen auf die Ereignisse manchmal ganz schön voneinander ab, wem soll man da Glauben schenken? Habt ihr schon mal davon geträumt, eine große historische Persönlichkeit zu sein? Ein König oder eine Königin im Mittelalter zum Beispiel? Auch das ist Gegenstand des Geschichtsunterrichts: In die Rollen früherer Menschen zu schlüpfen, für eine Weile in „ihren Schuhen“ zu gehen, um ihr Denken und Handeln zu verstehen und zu beurteilen. Geschichte und Geschichtsunterricht sind sehr facettenreich. Lasst euch überraschen!

Bonn: Vortrag mit Wolfgang Schäuble