Vortrag und Diskurs mit der MSS 12

09. November – Schicksalstag der Deutschen?

Am heutigen Tag, dem 09.November 2020, fand in der Aula des GSG Daun eine bemerkenswerte und denkwürdige Veranstaltung statt. Christian Jansen (Professor für Neuere und Neueste Geschichte, Schwerpunkt 19.Jh.) von der Uni Trier war am heutigen Vormittag an unsrer Schule zu Gast.

Er hielt den Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufe 12 zunächst einen Vortrag über die besondere Bedeutung des 09. November in der Geschichte Deutschlands. Dabei beleuchtete er die verschiedenen Ereignisse und Kontexte, die mit diesem Datum in Verbindung stehen, auf höchst informative und zugleich ansprechende Weise.

Beginnend mit dem Staatsstreich Napoleons am 09.11 1799, über den gleichen Tag im Jahr 1848, der als Anfang vom Ende der Märzrevolution gilt. Bekannter ist sicherlich, dass am 09.November 1918 die Weimarer Republik ausgerufen wurde, unmöglich zu vergessen der Höhepunkte der antisemitischen Novemberpogrome im Jahr 1938. Aber hier endete der Vortrag nicht, es folgte noch der Blick auf den gleichen Tag im Folgejahr, als Georg Elsers Bombenattentat auf A. Hitler fehlschlug. Besondere Würdigung fand auch der der 09. November 1989, der auch als Tag der „Maueröffner“ bezeichnet werden kann.

Erstaunlich war, wie aufmerksam und ruhig die jungen Erwachsenen dem fast 1-stündigen Vortrag zuhörten, der auch durch die zuverlässige Arbeit unserer Technik-AG ermöglicht wurde. Noch viel beeindruckender aber war die sich an den Vortrag anschließende Diskussion z.B. über die Frage, ob der 09. November ein nationaler Gedenk oder gar Feiertag für Deutschland sein könne. Wohl durchdachte Schülerfragen zeigten einerseits, dass man sich auf den Gastbesuch vorbereitet hat, andererseits zeigte sich aber auch ein akutes geschichtliches und sozial-politisches Interesse der jungen Leute sowie eine sensible, kluge und kritische Sicht auf die ambivalente deutsche Geschichte, die mit Schlüsselereignissen tief im kollektiven Gedächtnis verankert ist. Das Fach Geschichte, das wurde deutlich, bedeutet viel mehr als Daten und Fakten. Es wirft kontroverse Fragen auf, setzt Denkprozesse in Gang und fordert gut begründete Positionierungen ein.

Vielleicht braucht es nicht den einen großen Feiertag für Deutschland, sondern solche Gedenk- und Denk-Tage, nicht nur einmal im Jahr.